Jardins_remarquables_DE

Eingeführt wurde das Label « Jardin remarquable » (Bemerkenswerter Garten) 2003 auf Initiative des Comité national des Parcs et Jardins, des französischen Komitees für Parks und Gärten, einer Einrichtung, die unter der Aufsicht des Ministeriums für Kultur und Kommunikation steht. Es handelt sich dabei um ein nationales Label, das alten oder modernen, privaten oder öffentlichen, unter Denkmalschutz oder nicht unter Denkmalschutz stehenden Gärten verliehen wird. Die Gärten erhalten das Label für 5 Jahre und zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Design, ihre Pflanzen und ihre Pflege bemerkenswert sind.
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jardins_contemporains_DE

Bei jedem Garten, der in jüngster Zeit angelegt wurde, spricht man von einem zeitgenössischen Garten. Manche sind das Werk von weltgewandten Laien, die ihre Inspiration aus Gärten in Frankreich, Italien, Holland oder China holen, die Atmosphäre neu interpretieren und sie mit einheimischen Gewächsen umsetzen. In ganz Lothringen gibt es dafür zahlreiche Beispiele, oft Gärten von Frauen oder Ehepaaren, vergängliche Werke, die das Spiegelbild einer Leidenschaft und unablässigen Arbeit sind.
Zuweilen handelt es sich um das Werk angesehener Landschaftsgestalter, die gekommen sind, um die Umgebung historischer Schlösser oder die Zentren lothringischer Städte einer Verjüngungskur zu unterziehen, mit der den Orten fernab ihrer industriellen oder militärischen Vergangenheit eine neue Vitalität verliehen wird. Seit den 70er-Jahren erneuern schöpferische Kräfte, sowohl Laien als auch Profis, das Bild von Dörfern und Städten, von kleinen Gärten oder riesigen Parks, passen es zu unserer größten Freude den eisigen Wintern und heißen Sommern in Lothringen an.
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jardins-classicisme_DE

Die französischen Gärten waren dafür konzipiert, vom Schloss aus bewundert zu werden; die Anlage vermittelt ein Gefühl von Geschlossenheit und perfekter Ausgewogenheit. Typisch sind zwei Grundprinzipien: die Axialität und die Symmetrie der Flächen, die aus konstruierten Gewächsen (Formbäumen) und natürlichen Gewächsen (Baumgruppen und dann Wald) bestehen. Die Alleen sind eingerahmt von Statuen und Formbäumen. Je weiter man sich vom Schloss entfernt, desto mehr erobert mit Bäumen und Wiesen der ländliche Charakter seine Ansprüche zurück.
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parcs_pittoresques_DE

Pittoresk ist eine Landschaft dann, wenn sie ein hügeliges Gelände, verschiedene Aspekte und Strukturen sowie wechselnde Lichtverhältnisse aufweist. In Frankreich haben sich als Reaktion auf die klassischen, herrschaftlichen Gärten ab 1760 pittoreske Gärten verbreitet. In ihnen zeigt sich eine neue Beziehung zur Natur, basierend auf der Vorstellung einer möglichen Harmonie zwischen Mensch und Natur. Der pittoreske Garten, dessen Ziel es ist, stark in sein Umfeld integriert zu sein, bevorzugt Kurvenlinien, betont die Unebenheiten der Landschaft, hebt die Hülle und Fülle an Gewässern und Vegetation hervor. Dieser Nachfolger der « Flachgärten » löst beim Spaziergänger ganz unterschiedliche Gefühle aus: Träume, Überraschung, Furcht, Bewunderung oder Melancholie.
Der pittoreske Garten feiert bei dem privaten Grundbesitz, der sich damals entwickelt, deutliche Erfolge. Bis zum Ersten Kaiserreich muss man aber warten, ehe sich diese neue Sensibilität gegenüber der Natur auch in Lothringen durchsetzt. Das Ende des 18. Jahrhunderts ist geprägt vom Anschluss Lothringens an das Königreich Frankreich (1766), und der Einfluss des lothringischen Malers Hubert Robert (1733-1808), Erster Gärtner bei Ludwig XVI., lässt sich ganz besonders in Lothringen spüren.
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jardins-ecole-nancy-DE

Mit dem Aufkommen des Jugendstils ändert sich zwischen 1890 und 1914 auch die Kunst des Gartenbaus. Schon Ende des 18. Jahrhunderts gibt es eine Begeisterung für exotische Pflanzenarten und Früchte aus Kolonial- und wissenschaftlichen Expeditionen. Mit Enthusiasmus entwickeln nicht nur Liebhaber und Gestalter der lothringischen Parks und Gärten, sondern auch Baumschulgärtner neue Sorten von Blumen durch künstliche Bestäubung oder Artenkreuzung.
Wenngleich die Gartenbauer mehrere Jahrzehnte vor der Entstehung des Jugendstils mit ihren Arbeiten begonnen haben, so entstehen doch freundschaftliche Beziehungen zwischen der Welt der Gärten und der Welt der Künstler der École de Nancy, die in den damaligen Gewächsen eine nachhaltige Inspiration finden. Und bald fügen sich natürlich mit Blumenmotiven verzierte Fenster in den weiteren Ausbau des Gartens ein.
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Jardins_botaniques_DE

Die Entstehung der botanischen Gärten geht auf die wissbegierige Zeit der Renaissance zurück, während der sie von den Universitäten verwaltet wurden. In Frankreich wurden die ersten botanischen Gärten 1593 in Montpellier und 1619 in Strassburg angelegt.
Der Alexandre-Godron-Garten (früher : Jardin de Plantes) ist der älteste botanische Garten von Nancy und stammt aus dem Jahr 1756. Wenig später wird auf Anordnung des Herzog Stanilas die « Pépinière » -Baumschule angelegt, welche die nötigen Bäume zur Verschönerung der Straßen und Parks liefern soll. Der botanische Garten von Metz, 1719 als Sommerresidenz angelegt, hat dank seiner englischen und französischen Landschaftsbilder sowie der für die Weltausstellung von 1861 errichteten Treibhäuser einen wahren Zauber : inmitten von mehreren Vogelgehegen mit exotischen Exemplaren und verschiedenen Teichen, wo Fische und Schildkröten ihr Zuhause gefunden haben, gedeihen jährlich 490 000 Blumen ! Nicht zu vergessen das Rosarium mit den 80 Rosenarten…
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Arbres_remarquables_DE

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind große Bäume vor allem Nutzobjekte. Angeordnet als Zaun, Reihe oder Vordach spenden sie Schatten in der Nähe von Gebäuden. Mit dem Entstehen eines eher pittoresken Landschaftsbaus wird der Baum nunmehr als ein bemerkenswerter Gegenstand an sich betrachtet, und das aufgrund seines Wuchses, seiner Färbung, seiner gewaltigen Größe, aber auch aufgrund seiner Herkunft. Durch ihn halten ab Ende des 18. Jahrhunderts Asien, Afrika und Amerika Einzug in unsere Parks.
Die Art und Weise, wie diese Bäume angeordnet werden, unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Garten; Ausrichtung und Perspektive sind nicht mehr maßgebend. Die Bäume, die oft in ungerader Anzahl angepflanzt sind, um zu viel Regelmäßigkeit zu vermeiden, werden auf « natürliche » Art in Szene gesetzt.
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jardins_altitude_DE

Die Vogesen, die eine Höhe von 1424 m erreichen, weisen alle Faktoren für einen Gebirgsgarten auf : Klima mit großen Temperaturschwankungen, Spät- oder Frühfrost, Schnee im Winter, arme Böden, abfallende Felder, teilweise schwer zugängliche Stellen…
Musterhafte Realisierungen liefern den Beweis, dass selbst unter grundsätzlich wenig ansprechenden Bedingungen wunderbare Gärten entstehen können. Der Garten von Berchigranges auf 700 m Höhe beherbergt beispielsweise Tausende von Pflanzen aus der ganzen Welt und Narziss- und Primelsammlungen, sowie ausdauernde Pflanzen aus der Vergangenheit und der Alpenwelt.
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Jardins_medievaux_DE

Der mittelalterliche Garten, der heutzutage auf Grundlage historischer Unterlagen angelegt wird, zieht seine Inspiration aus zwei Quellen: den Handschriften und den Malereien des Mittelalters. Der mittelalterliche Garten – ursprünglich eine umschlossene Fläche am Rand oder innerhalb einer Burg, einer Abtei oder eines Klosters – kann gebaute Strukturen (Bänke, Brunnen, Springbrunnen) beinhalten. Als Pflanzen zugelassen sind alle wilden oder angebauten Arten, die aus dem 5. bis 15. Jahrhundert bekannt sind, z. B. Wermut, Ysop, Majoran, Melisse, Pfefferminze, grüne Minze, Oregano, Pimpernelle, Salbei, Rosmarin, Thymian, Eisenkraut, Zitronenkraut. Die « Liste von Karl dem Großen » führt 90 Pflanzenarten auf, die in den Klöstern und Gärten des Empire unbedingt anzubauen sind !
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Jardins-terrasse_DE

Terrassengärten sind eine der Neuartigkeiten des 18. Jahrhunderts in Lothringen. Im Unterschied zu dem engen Terrassengarten, der aus Italien stammt und den man in Frankreich bis Anfang des 17. Jahrhunderts findet, verfügen die lothringischen Gärten über breite Terrassen und Treppen an der Frontseite, was dem Ganzen eine starke visuelle Wirkung verleiht. Der Erfolg dieser Gärten erklärt sich zudem dadurch, dass es abwechslungsreiche Landschaften und erstklassige Ausblicke gibt. Zehn Parks von Abteien bzw. Schlössern zeugen noch von solchen Anordnungen.
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